Rathaus Zeitung vom 09.11.2010

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Breites Bürgerengagement trägt Stadtteilschulen

 

Auf großes Interesse stieß das zweite Trierer Bildungsgespräch zu der Frage, ob die „Brede School“ in der niederländischen Partnerstadt ‘s-Hertogenbosch eine Modell für Trier sein kann. Rund 100 Besucher verfolgten im Palais Walderdorff eine Tagung und einen Vortrag zur „breitgefächerten Stadtteilschule“, die sich seit Mitte der 90er Jahre entwickelt hat. Sie nutzten die Gelegenheit, auf Einladung von Bürgermeisterin Angelika Birk mit deren niederländischen Kollegen, Bildungsdezernent Dr. Bart Eigemann, und weiteren Experten engagiert über die Einrichtung zu diskutieren, die viel mehr als eine Schule ist.

Nach Vorbildern aus Schweden und Großritannien gibt es vor allem im Kleinkinder- und Primarbereich neben der klassischen Schule Betreuungseinrichtungen, ein Kulturforum, die Bibliothek und Anlaufstellen für den Sozial- und Gesundheitsbereich unter einem Dach. Das erspart gerade vielen berufstätigen Müttern viele Wege und Stress.

 


Dr. Bart Eigemann

 
Begegnungsort für alle Altersstufen

Das städtische Bildungs- und Medienzentrum mit seinem Projekt „Lernen vor Ort“ und die Trierer Herzogenbusch-Gesellschaft hatten das Bildungsgespräch vorbereitet. Es stieß auch deswegen auf großes Interesse, weil rund um das Trierer Schulentwicklungskonzept diskutiert wird, wie in einigen Grundschulen Kitas integriert werden und dort langfristig Stadtteilzentren entstehen können.

Bürgermeisterin Birk hob unter anderem hervor, dass bei den Brede Schools von Bürgern organisierte Projekte eine zentrale Rolle spielen. Die Gäste belegten dies mit eindrucksvollen Beispielen wie einem Musical. Gerade in Stadtteilen mit schwieriger Sozialstruktur und einem hohen Anteil an Immigranten würden die Schulen zu Orten interkultureller Begegnung für Bürger zwischen 0 und 99 Jahren.

Verbesserte Mitgestaltungsmöglichkeiten erhöhen nach Einschätzung von Eigemann die Motivation zu einem Engagement. In manchen Brede Schools sind 25 verschiedene Einrichtungen vertreten. „Sie gestalten zusammen eine Sinfonie, bei der die Stadt der Dirigent ist und nicht im Orchester mitspielt“, betonte der Bildungsdezrnent in seinem einleitenden Vortrag. Als „Prämie“ erhalten die Gruppen und Vereine feste Budgets, über die sie verfügen können. Viele Gruppen und Vereine würden Geld für eigene Räume sparen, weil sich ihre Projekte komplett in die Brede School verlegten.

Gebäude am Wochenende offen

Beispiel für das Elternengagement sind die Leseförderung in der Bibliothek und das Einbringen von Expertenwissen in EDV-Kursen. Eine wichtige Rolle spielt die Architektur der Brede Schools. Die optimale Lösung ist eine zentrale Aula, um die sich die anderen Bereiche gruppieren. Es gibt aber nach wie vor geschützte Bereiche, die nur Kindern, Lehrern und Erziehern vorbehalten sind. Die Schulgebäude sind meist von 7 bis 23 Uhr und oft am Wochenende geöffnet. Das bedeutet einen erhöhten personellen Aufwand.

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